Britische
Armee trainiert Kampfeinsätze mit PC-Spiel
3D-Shooter sind nicht nur schon immer ein Verkaufsgarant gewesen,
sondern werden zunehmend auch von Militärs als Vorbereitung
auf ernsthafte Einsätze genutzt. Nach der US Army, die
erst vor kurzem den Mehrspieler-fähigen Actiontitel America's
Army[1] angekündigt hat und mit einigen von Novalogic und
Ubi Soft[2] entwickelten Simulationen bereits den Ernstfall
trainiert, setzt auch die British Army eine bekannte Spiele-Engine
zum Üben von Kampfsituationen ein, berichtet die BBC[3].
Die auf der
Half-Life-Engine (HL) basierende Kampfsimulation hat jedoch
mit dem Originalspiel von Valve Software, das hierzulande
in der US-Fassung indiziert wurde, nicht mehr viel gemeinsam.
Die Spielumgebungen scheinen echten Einsatzsituationen wie
dem Häuserkampf oder Geiselbefreiung nachempfunden zu
sein. Das Verteidigungsministerium will somit von den Soldaten
bereits im Training geübte Situationen offenbar schnell
auffrischen oder die Soldaten auf kommende Einsätze vorbereiten.
Major Bruce Pennell vom Logictics Corps der britischen Armee
schätzt außerdem den Vorteil, dass virtuell getötete
Soldaten wieder aufstehen.
Dass die Soldaten
das Spiel sehr ernst nehmen, kann Pennell bestätigen.
"Es hat sich bereits herausgestellt, dass diese Jungs
in ihrem Handeln sehr engagiert sind. Die Übung ist daher
mehr nur als ein Spiel, das man mit einer Tastatur und Maus
steuert", fügt Pennell hinzu. Anders als im durchschnittlichen
Computerspiel wird den Teilnehmern nach einem Treffer nicht
nur Energie abgezogen sondern sie sind sofort tot. Damit wolle
man einen echten Einsatz simulieren, denn dort würden
sie für einen Fehler auch sofort bestraft, sagt Chris
Morris, der bei QinetiQ[4] die modifizierte HL-Version mitentwickelt
hat.
Sowohl für
Vivendi[5]-Sprecher Leo Jackstädt als auch GameStar[6]-Chefredakteur
Jörg Langer kommt die Entscheidung der British Army wenig
überraschend. Wie Jackstädt gegenüber heise
online erklärte, habe es sogar bereits vereinzelte Anfragen
von Polizisten gegeben, die SWAT 3[7] aufgrund seines Realismus
unbedingt kaufen wollten. Auch Langer gab sich wegen der gängigen
Praxis bei der US Army, Kampfeinsätze mit Hilfe von PC-Spielen
vorher zu trainieren, kaum überrascht. Die Entscheidung,
einen Shooter wie America's Army speziell als Werbemedium
für neue Rekruten kostenlos im Netz zu verbreiten, hält
er jedoch für bedenklich.
Quelle: heise online-Newsticker
URL dieses Artikels: http://www.heise.de/newsticker/data/daa-21.06.02-000/
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